Mit-Gefühl

Nachricht 24. März 2021

„Echte Männer weinen nicht“. Viele Generationen sind mit diesem Vorurteil groß geworden.  Gefühle zeigen, das ist weiblich. Männer, die dennoch Tränen vergießen, werden von rückständigen Menschen verächtlich als „schwach“, „verweichlicht“ oder als „schwul“ bezeichnet.  Ob ein Mensch Gefühle zeigen kann oder nicht, hat jedoch nichts mit dem Geschlecht oder der sexuellen Orientierung zu tun. Die Künstlerin Maud Fernhout räumt mit diesen Vorurteilen auf. Sie hat junge Männer beim Weinen fotografiert. Es sind wirklich rührende Aufnahmen. Zu jedem Bild gibt es ein Statement. Darunter dieses: „Gefühlvolles Weinen ist eines von wenigen Dingen, die uns von Tieren unterscheiden“.

Gefühle zuzulassen heißt Menschsein. Die Passionszeit erinnert an das Leiden Jesu. Ein Mann. Ein erwachsener Mensch, der Todesangst im Garten Gethsemane hat und am Kreuz vor Schmerzen und Verzweiflung schreit. Jesus ist ein Mensch, der Gefühle zeigt.

„Weinen vor Lachen und Lachen vor Weinen. Diese beiden Formen, Gefühle zu zeigen, liegen so dicht beieinander.“ So lautet ein weiteres Statement aus der Bilderserie. Es stimmt. Wer weinen kann, der kann auch lachen. Gefühle gibt es nicht im Einzelpack sondern nur in ihrer Vielfalt. Wenn ich also im Leben Freude spüren will, muss ich auch hinnehmen, dass ich Trauer, Wut und Angst erfahre. Ein Gefühl zu unterdrücken, blockiert auch die anderen. Ein Leben ohne Glücksgefühle hätte aber keinen Sinn. Dann doch lieber mit Gefühl!

Natürlich fühlen sich Trauer, Wut und Angst nicht schön an. Aber sie sind nützlich. Sie zeigen mir, was mir im Leben nicht guttut. Wenn ich sie nach außen zeige, haben sie einen weiteren Vorteil. Menschen, die mir nahe sind, können erkennen, dass ich Aufmunterung gebrauchen kann. Das nennt man Mitgefühl. Doch dafür müssen sie die Gefühle selbst kennen.

Jesus hat Mitgefühl mit den Armen, mit den Ausgestoßenen und mit den Kranken. Bedeutet Nachfolge dann nicht zuallererst: dass auch ich mein Leben mit Gefühl lebe und Mitgefühl zeige?

Das fragt sich und Euch Euer Manuel Ziggel