Mit oder ohne ?

Nachricht 17. Februar 2021

Impulse zur Fastenzeit

Mit oder ohne? Will ich meinen Glühwein mit oder ohne Schuss trinken? Und die Pommes: Mit oder ohne Majo? Im Alltag muss ich mich ständig entscheiden.  Beim Friseur: Mit oder ohne Fönen? Und vor der Tür: mit oder ohne Mütze?

„Mit“ klingt dabei nach Fülle und i-Tüpfelchen, nach dem Extra, das noch obendrauf kommt. „Ohne“ umgibt dagegen eine Aura des Verzichts und der Beschränkung. In der Fastenzeit scheint „ohne“ das passende Wort zu sein.

„Sieben Wochen ohne“ – so heißt denn auch die bundesweite Fastenaktion der Evangelischen Kirche, die seit dreißig Jahren immer von Aschermittwoch bis Ostersonntag geht. In diesem Jahr lautet das Motto: „Sieben Wochen ohne Blockaden“. Das wirkt schräg, denn wir leben doch noch immer ziemlich blockiert. Wir haben ein regelrechtes Ohne-Jahr hinter uns: Ohne Handschlag, ohne Parties, ohne Singen. Dafür mit Abstand und mit Maske. So ist vielen diesmal gar nicht nach Fasten zu Mute.

Wie wäre es also in diesem Jahr mit der schlichten Frage: Mit oder ohne? Bei Milch und Zucker mag die Antwort leicht fallen. Wie ist es aber im Großen?

Wie will ich leben? Was gehört  für mich unbedingt dazu, und worauf verzichte ich lieber?

Mit Musik und ohne Auto. Mit Schwung und ohne Denkverbote. Vertrauensvoll und sorglos. Mit frischer Luft um die Nase und ohne Dämonen… Wer zu sortieren beginnt, merkt schnell: In manchem Mit steckt ein Ohne und umgekehrt. Und: Mit oder ohne – das liegt nicht immer und nicht allein in meiner Hand. Kinder, Geld, Gesundheit: Ich kann mich darum bemühen, doch womöglich kommt es anders. Zu dieser Frage gehört es also auch auszuloten, was ich tun kann, um meine Vorstellung vom guten Leben zu verwirklichen, und wo ich an Grenzen stoße.

Mit oder ohne? In den nächsten sechs Wochen bis Ostern findet Ihr hier immer mittwochs eine ganz persönliche Antwort auf diese Frage. Wie lautet Eure?

Fragt und wünscht Euch einen guten Gang durch die Passionszeit, mit Segen und ohne Sorgen

Eure Pastorin Julia Koll